Über das Hölloch

Teufels-Sage und Name des Höllochs

Die Muotathaler Sage erzählt das Naturwunder Hölloch und Umgebung als Geschichte des Teufels, der durch den Anblick der Muotathaler Bauern von Verlangen gepackt wurde, ebenfalls den Pflug ins Felde zu führen. Nach anfänglichen Mühen ein Land für die bäuerliche Tätigkeit zu erwerben, bot man ihm an, im Gegenzug zu einer verlorenen Seele, im Wildland die steinigen "Silberenhochfläche" zu beackern. Mit einem riesigen Pflug und feurige Gäule ausgestattet, beginnt er in seinem Eifer die Silberen zu pflügen und im wilden Durcheinander tiefe Furchen in den Felsenboden zu ziehen (siehe Geologie unten). Erst als sich der Tag dem Ende zuneigt, erkennt der Teufel, dass er lediglich einen gräulichen Steinbruch zusammengepflügt hatte. Wütend und beschämt nimmt er Reissaus und rast mit seinen Feuergäulen auf direktem Weg in Richtung Hölle - so entstand ein tiefer Felsgang, den man heute "Hölloch" nennt.1

Der tatsächliche Ursprung des Namens "Hölloch" hat entgegen der weit verbreiteten Annahme und der Geschichte des pflügenden Teufels aber nichts mit der Hölle der Unterwelt zu tun. So wurden bereits im 16. und 17. Jahrhundert vom "Hellbach" und den "Helltobel" berichtet. So bezeichnen "Hell" oder "Höll" stets eine abgelegene Schlucht oder Tobel. "Loch" hingegen bezeichnet entweder ein kleines Tal oder im Falle des Höllochs schlicht eine Höhle. Somit bedeutet Hölloch ursprünglich "die Höhle, die sich am oberen Ende einer abgelegenen Schlucht befindet". Dennoch findet sich "Hell" oft auch als Schweizerdeutscher Begriff für schauerliche Örtlichkeiten - so dass die Mystik des Höllochs, als Zugang zu einer schauerlichen Welt, dennoch weiter nachhallt.2

Geologie der Höhle

Beim Hölloch handelt es sich um ein Karst-Höhlensystem. Oberhalb des Höllochs befindet sich ein Karstgebiet mit immenser Grösse: Die Silberen, ein höher gelegenes Karstgebiet mit kahlem Felsen, im Einzugsgebiet des Höllochs. Der Niederschlag, welcher auf dieser Fläche fällt, erodiert den Boden und vertieft die Furchen, welche im Teufelsmythos beschrieben werden, bevor er seinen Weg ins Höhlensystem des Hölloch findet. Für die Entstehung des Hölloch noch wichtiger, ist aber der Bödmerenwald. Dieses Karstgebiet ist dicht bewachsen mit einem kaum berührten Urwald und liegt direkt über dem Hölloch. Durch den Waldboden, welcher durch die reiche Flora hohen Gehalt an CO2 aufweist, wird der Niederschlag mit CO2 angereichert und erodiert dadurch deutlich schneller das Gestein, durch welches er sich seinen Weg bahnt. Zusätzlich ist durch diese "Verunreinigung" des Wassers die Bildung von Tropfsteinen möglich, welche man im Hölloch bei einer längeren Tour in nicht von Überschwemmungen betroffenen Höhlengängen bestaunen kann. So wächst das Hölloch auch heute noch bei jedem Niederschlag ein kleines Stück und bahnt sich seinen Weg durch den sich zersetzenden Felsen.3

Höhlenforschung

Die Entdeckung des Höllochs kann dem Muotathaler Alois Ulrich im Jahr 1875 zugeschrieben werden. Auf ihn folgten zahlreiche Expeditionen, insbesondere des Schweizerischen Alpen-Clubs, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, aber auch Streitigkeiten um die Nutzung des Höllochs. Mit Hans Widmer versuchte ein Zürcher Unternehmer das Hölloch touristisch zu nutzen und fand dafür Investoren in Belgien. Die dafür 1905 gegründete Aktiengesellschaft war mit einem Aktienkapital von einer Million belgischer Francs (= 1 Mio. Schweizer Franken, bei 3 Fr. Tageslohn für einen Höllocharbeiter) ausserordentlich finanzstark aufgestellt, für den geplanten Ausbau des Höhlenweges und der elektrischen Beleuchtung der Höhle. Nach langjährigen Bemühungen gelang es Widmer aber nicht, die Massen für den Besuch in die abgelegene Höhle zu begeistern, während die Instandhaltungskosten durch die regelmässigen Überschwemmungen des Höhlenganges nicht mehr gedeckt werden konnten und so das Unternehmen scheiterte.4

Während Europa durch zwei Weltkriege erschüttert wurde, blieb das Hölloch lange unbegangen - erst Ende der 1940er-Jahre nahmen mehrere Gruppen die Höhlenforschung wieder auf und stellten das enorme Ausmass, der noch weitgehend unentdeckten Höhle fest. Die Forschungserfolge der darauffolgenden Jahre führten dazu, dass das Hölloch von 1955 bis 1967 als längste Höhle der Welt galt.5

Heute können touristische Höhlenbegehungen mit dem Trekking Team wieder gebucht werden (über diese Website). Dabei wird aber nicht, wie in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts, auf Massentourismus gesetzt, sondern auf professionell geführte Touren in der möglichst unberührten Höhle, um das einzigartige Naturwunder Hölloch zu erleben und dennoch auch für die Nachwelt zu erhalten. Zugleich finden auch heute noch intensive Erforschungen des Höllochs durch die Arbeitsgemeinschaft Höllochforschung AGH statt.

Das Forschungspotential des Höllochs ist noch lange nicht ausgeschöpft - immer wieder gelangen Forschende in bisher unerreichte Tiefen des Höllochs oder entdecken sogar eine Verbindung zu einer anderen Höhle. Mit heute über 200 Kilometern erforschter Länge, belegt das Hölloch Platz 11 der längsten Höhlen der Welt und den 2. Platz in Europa.6

Im August 2020 entdeckten Höhlenforschende einen weiteren Zugangs zum Hölloch auf 1584 Höhenmetern, was zu einer neuen erforschten Länge von 207 Kilometern und - besonders spektakulärer - einer Höhendifferenz von 1033 Höhenmetern vom tiefsten Höhlenpunkt zum neu höchst gelegenen Zugang führt. Ein solch langes und zugleich so tiefes Höhlensystem ist weltweit einzigartig!7

Hauptquelle: Möckli, Urs (Hrsg.) (2000): Hölloch. Naturwunder im Muotatal. AS Verlag. Zürich.

  1. Hölloch. Naturwunder im Muotatal. S. 6 f.
  2. Hölloch. Naturwunder im Muotatal. S. 109.
  3. Hölloch. Naturwunder im Muotatal. S. 44 f.
  4. Hölloch. Naturwunder im Muotatal. S. 106 ff. & S. 111 ff.
  5. Hölloch. Naturwunder im Muotatal. S. 190
  6. Wikipedia (EN): längste Höhlen der Welt
  7. AGH: Das Hölloch ist in Länge und Tiefe gewachsen